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Walter Schmidt
Individuelle Software

Warum braucht es oft eine dritte Softwarelösung, um zwei Systeme zu verbinden?

Standardsoftware ist auf ihren eigenen Aufgabenbereich gebaut — nicht darauf, mit der Standardsoftware daneben zu sprechen. Wenn zwei Systeme im Betrieb nicht miteinander reden, hilft meist keine der beiden Software-Firmen weiter: Es braucht eine dritte, kleine Softwarelösung als Brücke. Die verbindet die vorhandenen Systeme über ihre Schnittstellen, statt eines davon zu ersetzen — oft der schnellste und günstigste Weg, Doppelarbeit und verlorenes Wissen loszuwerden.

7 Min. Lesezeit

Das Problem: Jede Standardsoftware ist eine Insel

Typischer Betrieb: eine Business-Software für Aufträge und Kunden, ein Ticketsystem für Anfragen und Störungen, dazu Buchhaltung, E-Mail, vielleicht ein Lager- oder Zeiterfassungssystem. Jedes Programm macht seinen Job — aber jedes speichert seine Daten für sich.

Eine Insellösung ist eine Software, die ihre Daten nur für sich selbst vorhält und keine automatische Verbindung zu den anderen Systemen im Unternehmen hat.

Das ist kein Einzelfall, sondern die Regel: Erhebungen zur Anwendungslandschaft in Unternehmen — etwa der Connectivity Benchmark von MuleSoft — zeigen Jahr für Jahr, dass nur eine Minderheit der eingesetzten Programme tatsächlich miteinander verbunden ist und dass Datensilos als eine der größten Hürden für Automatisierungs- und KI-Vorhaben gelten. Im Mittelstand sieht es strukturell genauso aus, nur mit weniger Systemen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Das Wissen stirbt im geschlossenen Ticket

Fall aus meiner Arbeit (anonymisiert): Ein Betrieb arbeitet mit einer Business-Standardsoftware für Aufträge und Kunden. Support-Anfragen laufen daneben in einem Ticketsystem. Ein Kollege löst ein kniffliges Problem, dokumentiert die Lösung sauber im Ticket — und schließt es. Ab da ist dieses Wissen praktisch tot: Wer ein halbes Jahr später am selben Kunden oder am selben Fehler sitzt, arbeitet in der Business-Software und sieht dort nichts davon. Er löst das Problem noch einmal — oder fragt den Kollegen, der es damals wusste, wenn er noch da ist.

Die Lösung war keine neue Software und kein Wechsel: eine kleine Integrationsschicht, die beide Systeme über ihre Schnittstellen verbindet. Beim Kunden in der Business-Software sind die zugehörigen Tickets samt Lösungen sichtbar; geschlossene Tickets sind kein Grab mehr, sondern ein Nachschlagewerk.

Wissen, das in geschlossenen Tickets, alten E-Mails oder Projektordnern liegt, ist nicht verloren — es ist nur nicht angebunden.

Warum können die Hersteller das nicht einfach selbst?

Drei ehrliche Gründe:

  • Fokus: Standardsoftware wird für den Massenmarkt gebaut. Der Hersteller kennt Ihre zweite Software nicht — und baut keine Spezialanbindung für jede Kombination.
  • Interesse: Viele Anbieter verkaufen lieber ihr eigenes Zusatzmodul, als das System des Wettbewerbers anzubinden.
  • Individualität: Selbst wenn es einen Standard-Connector gibt, passt er selten auf die eigenen Abläufe — welche Felder, welche Richtung, was gilt bei Konflikten?

Was Hersteller aber fast immer liefern: eine Schnittstelle (API) — die Steckdose. Die dritte Softwarelösung ist das Kabel mit dem passenden Stecker auf beiden Seiten.

Was ist diese „dritte Softwarelösung“ konkret?

Eine Integrationslösung (Middleware) ist eine eigenständige, meist kleine Software, die zwischen zwei bestehenden Systemen sitzt, deren Schnittstellen anspricht und Daten automatisch in die richtige Richtung überträgt.

Formen, vom Kleinen zum Großen:

  • Einbahnstraße: System A schiebt Daten regelmäßig nach System B (zum Beispiel neue Aufträge ins Ticketsystem).
  • Synchronisation: beide Richtungen, mit klaren Regeln, wer bei Konflikten gewinnt.
  • Anreicherung: die Brücke zeigt Daten aus B direkt in A an (das Ticket-Wissen beim Kunden).
  • Automatisierung obendrauf: wenn die Daten erst fließen, lassen sich Folgeschritte automatisieren — bis hin zur KI-Wissensdatenbank, die auch die Ticket-Historie durchsuchbar macht.

Wichtig fürs Erwartungsmanagement: Das ist keine dritte „große“ Software mit eigener Oberfläche für alle — im Idealfall sieht kein Mitarbeiter sie je. Sie läuft im Hintergrund.

Verbinden, ersetzen oder neu bauen — was ist wann richtig?

Faustregel aus der Beratungspraxis:

  • Verbinden, wenn beide Systeme ihren Job gut machen und nur das Zusammenspiel fehlt. Kleinster Eingriff, schnellster Nutzen, Mitarbeiter behalten ihre gewohnten Programme.
  • Ersetzen oder erweitern, wenn eines der Systeme auch für sich genommen nicht mehr passt — dann erst die Make-or-Buy-Frage stellen.
  • Neu bauen nur, wenn der Prozess selbst das Alleinstellungsmerkmal ist.
Die Reihenfolge lautet: erst verbinden, dann ersetzen, zuletzt neu bauen — nicht umgekehrt.

Woran erkenne ich, dass mein Betrieb eine Integrationslösung braucht?

  • Dieselben Daten werden in zwei Programme eingetippt (Kunden, Aufträge, Artikel).
  • „Schau mal im anderen System nach“ ist ein normaler Satz im Alltag.
  • Gelöste Probleme werden mehrfach gelöst, weil niemand die alte Lösung findet.
  • Auswertungen entstehen per Copy-and-paste in Excel, weil kein System alles kennt.
  • Eine Automatisierungs- oder KI-Idee scheitert daran, dass die Daten verstreut sind.

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FAQ

Häufig gefragt

Was kostet so eine Integrationslösung?

Deutlich weniger als ein Systemwechsel: je nach Umfang eher ein Projekt von Tagen bis wenigen Wochen statt Monaten. Der größte Kostentreiber ist nicht die Technik, sondern die Klärung der Regeln — welche Daten, welche Richtung, wer gewinnt bei Konflikten.

Brauchen beide Systeme eine Schnittstelle (API)?

Idealerweise ja. Fehlt eine, gibt es Umwege (Exporte, Datenbankzugriff, robotergestützte Eingabe) — die funktionieren, sind aber wartungsanfälliger. Das prüft man vor dem Projekt, nicht danach.

Ist das nicht nur ein Pflaster auf ein kaputtes System?

Nur, wenn eines der Systeme wirklich kaputt ist. Meist sind beide Systeme gut und nur ihr Zusammenspiel fehlt — dann ist die Brücke die dauerhafte, richtige Lösung, kein Provisorium.

Was hat das mit KI zu tun?

Alles, was KI im Betrieb können soll — Anfragen beantworten, Wissen finden, Abläufe automatisieren — setzt voraus, dass die Daten erreichbar sind. Die Integrationsschicht ist oft der erste Schritt Richtung KI-Wissensdatenbank.

Erst verbinden, dann ersetzen?

Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns Ihre zwei Systeme an und sagen ehrlich, ob eine Brücke reicht — oder ob mehr nötig ist. Ohne Verkaufsdruck.