Die meisten Unternehmer können die Arbeit ihrer Agentur nicht beurteilen — weil dieselbe Agentur auch die Berichte schreibt, an denen man sie messen soll. Sie müssen dafür nicht zum Fachmann werden. Sie brauchen die richtigen Fragen. Die folgenden zehn Punkte sind genau diese Fragen.
1. Sie berichtet an Ergebnissen, nicht an Rankings
Ein Bericht, der stolz „Platz 1 für Ihren Firmennamen“ zeigt, ist wertlos — auf den eigenen Namen ranken Sie ohnehin. Entscheidend ist, ob mehr qualifizierte Anfragen, Anrufe und Umsätze entstehen. 2026 zählt das doppelt: Googles KI-Antworten (AI Overviews) beantworten viele Suchen direkt auf der Ergebnisseite, sodass ein Spitzenplatz längst nicht mehr automatisch Besucher bedeutet. Eine Position ohne Klick ist kein Erfolg. Fragen Sie deshalb nach einem Bericht, der Anfragen statt Positionen zeigt.
2. Sie besitzen Ihre Konten selbst
Google Ads, Google Analytics und die Google Search Console gehören Ihnen — die Agentur bekommt Zugriff, um zu arbeiten, aber Sie können diesen Zugriff jederzeit entziehen, ohne Ihre Daten und Ihre Historie zu verlieren. Auch die Werberechnung sollte direkt an Sie laufen: Sie zahlen Google für die Anzeigen, die Agentur separat für die Betreuung. Wenn die Agentur alle Konten und Zugänge besitzt, sind Ihre Daten faktisch Geisel — ein Wechsel wird dann teuer und schmerzhaft.
- Google Ads-Konto: läuft auf Ihren Namen, das Werbebudget wird direkt Ihnen berechnet.
- Google Analytics (GA4): Ihr Eigentum, die Agentur als Nutzer mit entziehbarem Zugriff.
- Google Search Console: Ihre Property, Sie sind Inhaber.
- Google-Unternehmensprofil: Ihr Konto, nicht das der Agentur.
3. Das Reporting ist transparent und verständlich
Sie sollten jederzeit in Ihre eigenen Analyse- und Search-Console-Daten schauen dürfen — nicht auf einen Monatsbericht warten müssen, der „gerade noch in Arbeit“ ist. Ein gutes Reporting erklärt in normaler Sprache, was getan wurde, was es gebracht hat und was als Nächstes geplant ist. Ausweichende Antworten und Zahlenfriedhöfe ohne Einordnung sind ein Warnzeichen.
4. Sie kennt die Google-Updates 2026 — und Ihre Seite zeigt es
Google hat 2026 zweimal grundlegend nachjustiert (Core-Updates im März und Mai). Der Kern: Inhalte mit echter, erprobter Erfahrung schlagen massenhaft erzeugten Text, und Seiten ranken nur noch, wenn sie etwas nachweislich Neues liefern statt Bekanntes umzuformulieren. Eine gute Agentur spricht deshalb über Substanz und Ladezeit (Core Web Vitals als Gesamtwert), nicht über Keyword-Dichte und immer gleiche Textbausteine. Wenn Ihre Inhalte nach austauschbarem KI-Fülltext klingen, arbeitet die Agentur gegen den aktuellen Stand.
5. Sie optimiert auch für KI-Antworten
Immer mehr Suchen werden von KI beantwortet — in Googles AI Overviews, aber auch in ChatGPT, Gemini und Perplexity. Wer dort als Quelle genannt wird, gewinnt Sichtbarkeit, die an der klassischen Rangliste vorbeigeht. Eine zeitgemäße Agentur hat das auf dem Schirm. Vorsicht ist geboten, wenn eine Agentur mit „KI-SEO“ wirbt, aber keinen einzigen belegbaren Fall zeigen kann, in dem sie selbst oder ein Kunde in einer KI-Antwort zitiert wird — dann ist es ein Schlagwort, keine Kompetenz.
6. Sie garantiert keinen Platz 1
Niemand kann eine bestimmte Google-Position garantieren — Google entscheidet das, nicht die Agentur. „Platz 1 garantiert“ ist einer der zuverlässigsten Hinweise auf einen unseriösen Anbieter. Seriöse Agenturen versprechen ein Vorgehen und realistische Etappen, kein festes Ranking.
7. Saubere Methoden statt Abkürzungen
Gekaufte Backlinks, mit Schlagwörtern vollgestopfte Texte, massenhaft erzeugter KI-Content und geliehene fremde Autorität (Parasite SEO) sind keine cleveren Tricks, sondern Risiken: Googles Spam-Update vom März 2026 geht gezielt dagegen vor. Kurzfristige Ausschläge nach oben kippen dann in dauerhafte Abwertungen. Fragen Sie, welche Methoden zum Linkaufbau und zur Content-Erstellung genutzt werden — und werden Sie hellhörig bei allem, was nach Abkürzung klingt.
8. Bei Google Ads sehen Sie, wohin das Budget fließt
Gerade Googles automatisierte Kampagnen (Performance Max) galten lange als Blackbox. Seit 2026 zeigt Google deutlich mehr: auf welchen Kanälen das Budget landet, auf welchen Partner-Seiten Ihre Anzeigen erscheinen, und man kann unerwünschte Suchbegriffe und Platzierungen ausschließen. Eine gute Agentur nutzt diese Einblicke — sie zeigt Ihnen die Budgetverteilung und schließt sinnlose Platzierungen aus. „Vertrauen Sie einfach dem Algorithmus“ ist 2026 keine ausreichende Antwort mehr.
9. Feste Ansprechpartner statt Etikettenschwindel
Im Verkaufsgespräch sitzt der erfahrene Stratege, die eigentliche Arbeit macht später der Praktikant — dieses Muster ist verbreitet. Fragen Sie, wer Ihr Konto tatsächlich betreut. Und: SEO und SEA sind eigene Disziplinen. Wer sie als zwei Posten neben zwanzig anderen Leistungen führt, verteilt seine Kompetenz oft zu dünn.
10. Ein fairer Vertrag mit klarem Ausstieg
Der Vertrag sollte ausdrücklich regeln, wem die Konten gehören und dass beim Ende der Zusammenarbeit alle Zugänge und Daten sauber an Sie übergehen. Extrem lange Bindungen ohne Kündigungsmöglichkeit und schwammige Formulierungen zum Konto-Eigentum sind Warnzeichen. Gute Agenturen haben keinen Grund, Sie einzusperren — ihre Arbeit hält Sie.
Wenn Sie bei mehreren dieser Punkte ins Grübeln kommen, heißt das nicht zwingend, dass Ihre Agentur schlecht arbeitet — aber es lohnt das Gespräch. Und wenn Ihre Website trotz laufender Betreuung kaum gefunden wird, steckt die Ursache oft weniger in der Werbung als in einem technischen Problem: Google findet die Seite, nimmt sie aber nicht in den Index auf. Das ist ein eigenes Thema — und ein guter Grund, den Bereich „gefunden werden“ nicht der Agentur allein zu überlassen.
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