Google nennt drei Faktoren für die lokale Platzierung: Relevanz, Entfernung und Bekanntheit. Zwei davon können Sie kaum beeinflussen. Die Entfernung ergibt sich aus Ihrer Adresse, die Bekanntheit aus dem, was andere über Sie schreiben und verlinken. Übrig bleibt die Relevanz — also die Frage, ob Ihr Profil zu dem passt, wonach jemand gerade sucht. Genau dort liegt die halbe Stunde Arbeit, die sich wirklich lohnt.
Alles darüber hinaus ist entweder Pflege oder Zeitverschwendung. Dieser Artikel trennt das eine vom anderen, mit den Regeln, die Google selbst aufschreibt — und mit den drei Stellen, an denen Betriebe ohne Ladengeschäft regelmäßig auflaufen.
Die ersten fünf Minuten: Gibt es Sie schon?
Bevor Sie etwas anlegen, prüfen Sie, ob es Ihren Eintrag längst gibt. Google erzeugt Profile auch ohne Zutun des Betriebs, aus Branchenverzeichnissen, Kartendaten oder Nutzerhinweisen. Ein solcher Eintrag steht dann mit falscher Nummer oder alter Adresse im Netz, und niemand kümmert sich darum.
- Suchen Sie Ihren Firmennamen zusammen mit dem Ort, im privaten Fenster.
- Suchen Sie zusätzlich Ihre Telefonnummer und Ihre Adresse.
- Taucht ein Kartenkasten auf, den Sie nicht angelegt haben, klicken Sie auf „Als Inhaber eintragen“ beziehungsweise „Inhaber dieses Unternehmens?“.
Sie beanspruchen dann einen bestehenden Eintrag, statt einen zweiten anzulegen. Das ist wichtig: Google verlangt ausdrücklich, für jeden Standort nur ein Profil zu führen. Zwei Einträge für denselben Betrieb konkurrieren miteinander, teilen sich die Bewertungen und führen zu genau der Darstellung, die Sie vermeiden wollten.
Dürfen Sie überhaupt einen Eintrag haben?
Diese Frage klingt formal, entscheidet aber über den ganzen Rest. Googles Regel ist kurz: Ein Profil darf anlegen, wer einen Standort hat, den Kunden besuchen können — oder wer Dienstleistungen beim Kunden erbringt. In der Praxis fallen Selbstständige in eine von drei Konstellationen.
**Erstens: Sie haben Räume, in die Kunden kommen.** Ladengeschäft, Praxis, Kanzlei, Werkstatt mit Theke. Der einfachste Fall. Adresse angeben, Öffnungszeiten angeben, fertig.
**Zweitens: Sie haben ein Büro, arbeiten aber beim Kunden.** Der häufigste Fall bei Handwerk, IT und Beratung. Google sieht dafür das Einzugsgebiet vor: Sie legen ein Profil für Ihren Standort an und tragen zusätzlich ein, wo Sie tätig werden. Sie können die Adresse ausblenden, dann zeigt das Profil nur noch das Gebiet. Das ist die richtige Wahl, wenn Sie vom Wohnhaus aus arbeiten und Ihre Privatadresse nicht auf der Karte stehen soll.
**Drittens: Sie haben gar keinen eigenen Ort.** Hier wird es eng. Ein gemietetes Postfach reicht nicht, und eine gemietete Postanschrift, an der Sie nicht wirklich arbeiten — das sogenannte virtuelle Büro — schließt Google ausdrücklich aus. Auch ein Coworking-Platz zählt nur, wenn das Büro klar beschildert ist, dort Kunden empfangen werden und während der angegebenen Zeiten eigenes Personal vor Ort ist. Der beliebte Ausweg „ich nehme mir eine repräsentative Geschäftsadresse in der Stadt“ ist damit keiner.
Was der Eintrag steuert — und was nicht
Hier liegt der größte Irrtum bei Betrieben mit Einzugsgebiet. Viele tragen ein Gebiet von hundert Kilometern ein und erwarten, in der ganzen Region in der Kartenansicht aufzutauchen. So funktioniert es nicht.
Google nennt für die lokale Platzierung Relevanz, Entfernung und Bekanntheit. Das Einzugsgebiet ist keiner dieser Faktoren. Es beschreibt, wohin Sie fahren, nicht, wo Sie gefunden werden. Wie Google bei ausgeblendeter Adresse im Detail rechnet, legt das Unternehmen nicht offen — dass ein großes Gebiet die Reichweite vergrößert, steht jedenfalls nirgends. Google zieht sogar eine Obergrenze: Das Einzugsgebiet soll nicht weiter als etwa zwei Autostunden vom Standort entfernt reichen.
Was der Eintrag dagegen sicher leistet:
- Er beantwortet die Namenssuche. Wer Ihren Firmennamen hört und danach sucht, bekommt Nummer, Zeiten, Website und Route in einem Kasten. Das ist der häufigste Weg, auf dem ein Profil tatsächlich zu einem Anruf führt.
- Er ist Ihr kürzester Weg zum Telefonhörer. Ein Klick auf dem Handy, ohne Umweg über die Website.
- Er zeigt Ihre Bewertungen. Für viele Interessenten der erste Eindruck, noch vor der Startseite.
- Er hält die Grunddaten aktuell — auch dort, wo andere Dienste sie abschreiben.
Das ist wertvoll, aber es ist Bestandspflege und keine Neukundenmaschine. Wer im Umkreis von zwanzig Kilometern gefunden werden will, ohne dort eine Adresse zu haben, braucht dafür die Website und nicht die Karte. Warum eine Seite überhaupt erst in den Suchindex kommt, steht im Beitrag Website bei Google nicht gefunden.
Die vier Angaben, an denen wirklich etwas hängt
**Die Kategorie.** Sie ist die stärkste Stellschraube für die Relevanz, und sie wird am schlampigsten gesetzt. Googles Regel dazu ist griffig: Wählen Sie so wenige Kategorien wie möglich, und prüfen Sie jede mit dem Satz „Dieses Unternehmen ist …“ — nicht „Dieses Unternehmen hat …“. Ein IT-Dienstleister ist ein IT-Dienstleister; dass er auch Websites baut, ist ein Angebot und keine Kategorie. Kategorien als Stichwortliste zu missbrauchen, untersagt Google ausdrücklich.
**Der Name.** Genau der Name, unter dem Sie am Markt auftreten — nicht mehr. Nicht zulässig sind Werbezusätze, Standortangaben, Öffnungszeiten, Telefonnummern, Adressen im Namensfeld, durchgehende Großschreibung und Sonderzeichen. Auch Rechtsformzusätze wie GmbH oder OHG zählt Google zu den Zusätzen, für die es einen Nachweis aus der realen Welt sehen will. „Müller Elektro — Ihr Elektriker für Ulm und Umgebung“ ist damit kein Kniff, sondern ein Regelverstoß. Google behält sich vor, Profile bei Verstößen zu sperren, und ein gesperrtes Profil zurückzuholen kostet deutlich mehr Zeit als der Zusatz je eingebracht hat.
**Adresse und Einzugsgebiet.** Wenn Kunden zu Ihnen kommen: Adresse zeigen. Wenn nicht: Adresse ausblenden und das Gebiet eintragen, in dem Sie wirklich arbeiten. Nicht das, in dem Sie gern arbeiten würden.
**Die Öffnungszeiten.** Das ist die Falle, in die Ein-Personen-Betriebe am zuverlässigsten laufen. Wer eine besuchbare Adresse angibt, muss während der genannten Zeiten auch erreichbar sein — für Standorte mit Einzugsgebiet verlangt Google ausdrücklich Personal vor Ort während der angegebenen Geschäftszeiten. Wenn Sie von Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr bei Kunden sind und niemand im Büro sitzt, sind diese Zeiten falsch. Zwei saubere Auswege gibt es: die Adresse ausblenden und als Betrieb mit Einzugsgebiet auftreten, oder ehrliche Zeiten eintragen, zu denen Sie tatsächlich da sind.
Die Bestätigung: Sie können sich die Methode nicht aussuchen
Viele Ratgeber empfehlen, die Video-Bestätigung zu wählen, weil sie schneller gehe. Das lässt sich nicht steuern. Google ermittelt die möglichen Bestätigungswege automatisch und schreibt selbst, dass sie sich nicht ändern lassen; welche angeboten werden, hängt vom Unternehmenstyp, von öffentlich verfügbaren Informationen, von der Region und von den Öffnungszeiten ab. Möglich sind Telefon oder SMS, E-Mail, ein Live-Videoanruf, eine aufgezeichnete Videobestätigung und die Postkarte.
Zwei praktische Punkte dazu. Erstens: Nach dem Durchlaufen der Schritte kann die Prüfung bis zu fünf Werktage dauern — das ist normal und kein Fehler. Zweitens: Wenn Ihre Website bereits in der Google Search Console bestätigt ist, geht es in bestimmten Fällen sofort. Es lohnt sich also, die Search Console vorher einzurichten, nicht nachher.
Bewertungen: der einzige Hebel, der wirklich Arbeit macht
Bekanntheit ist der dritte Faktor, den Google nennt, und Bewertungen sind der Teil davon, den Sie beeinflussen können. Die Grenze verläuft klarer, als viele denken.
Erlaubt ist, Kunden um eine Bewertung zu bitten — Google sagt das ausdrücklich, solange es um echte Erfahrungen geht und kein Anreiz im Spiel ist. Nicht erlaubt sind Bewertungen, für die bezahlt wurde, in Geld oder in Sachleistungen, sowie Rabatte oder Gratisleistungen als Gegenleistung. Ebenfalls untersagt: gezielt nur die zufriedenen Kunden zu fragen und die unzufriedenen abzufangen. Und Bewertungen aus dem eigenen Umfeld — Beschäftigte, Auftragnehmer, persönliche Verbindungen — fallen unter Interessenkonflikt und sind ebenfalls draußen.
Bleibt der unspektakuläre Weg: nach abgeschlossenen Aufträgen fragen, den Link direkt mitschicken, und auf jede Bewertung antworten. Das Antworten empfiehlt Google selbst, und es ist die einzige Stelle im Profil, an der Sie regelmäßig etwas tun sollten.
Was wir für überbewertet halten
**Beiträge.** Das Profil erlaubt kurze Posts. Für einen Betrieb ohne Laufkundschaft ändern sie erfahrungsgemäß wenig, kosten aber jede Woche Zeit. Wer schreiben will, schreibt besser einen Artikel auf der eigenen Website — der bleibt und zahlt auf die Bekanntheit ein.
**Keywords im Namen.** Der Kurzzeit-Effekt ist real, das Risiko auch. Ein gesperrtes Profil kostet mehr, als der Zusatz je einbringt.
**Fotos in Serie.** Ein paar gute Bilder sind sinnvoll, Google empfiehlt sie ausdrücklich. Fünfzig sind nicht besser als zehn, und bei einem Dienstleister ohne Ladengeschäft gibt es schlicht nicht viel zu zeigen.
**Anrufe von angeblichen Google-Partnern.** Sie versprechen die vordere Position gegen eine Monatsgebühr. Google schreibt in derselben Hilfeseite, in der es die Ranking-Faktoren nennt, unmissverständlich: Eine bessere lokale Platzierung lässt sich weder anfordern noch kaufen. Damit ist die Frage beantwortet.
**Ein zweites Profil für die zweite Leistung.** Verstößt gegen die Ein-Profil-Regel und zerlegt die Bewertungen auf zwei Einträge.
Wann sich der Eintrag nicht lohnt
Vier Fragen, ehrlich beantwortet:
- Kommt jemals ein Kunde zu Ihnen — oder fahren Sie ausschließlich hinaus? Wenn niemand kommt und Sie auch kein Büro mit Beschilderung und Anwesenheit haben, fehlt Ihnen die Grundlage für einen sauberen Eintrag.
- Suchen Ihre Kunden nach einer Leistung in der Nähe — oder werden Sie empfohlen? Wer zu neunzig Prozent aus Empfehlung arbeitet, braucht das Profil als Visitenkarte, nicht als Akquisekanal. Eine halbe Stunde einmalig reicht dann.
- Können Sie im Jahr zehn ehrliche Bewertungen zusammenbekommen? Wenn nicht, bleibt der stärkste Hebel ungenutzt, und das Profil bleibt ein Adressschild. Das ist in Ordnung — dann investieren Sie die Zeit lieber in die Website.
- Halten Sie die Angaben ein Jahr später noch aktuell? Ein Profil mit falschen Öffnungszeiten schadet mehr als kein Profil. Es ist die einzige Stelle, an der ein Kunde vor verschlossener Tür steht und es Ihnen anschließend schriftlich hinterlässt.
Für die allermeisten Selbstständigen fällt die Antwort trotzdem auf „ja, anlegen“. Nur eben mit realistischer Erwartung: eine halbe Stunde Einrichtung, danach fünf Minuten im Monat, und der Ertrag ist ein sauberer erster Eindruck — kein neuer Vertriebskanal.
Wann Sie es abgeben sollten
Zwei Fälle rechtfertigen fremde Hilfe. Der erste: Ihr Profil ist gesperrt oder wurde von jemand anderem beansprucht, und Sie kommen an die Inhaberschaft nicht heran — wie man Konten zurückholt, steht im Beitrag Wem gehört mein Google-Ads-Konto?. Der zweite: Es existieren mehrere Einträge zu Ihrem Betrieb, mit unterschiedlichen Adressen und verteilten Bewertungen. Beides ist Fleißarbeit mit Googles Support und nichts, was man nebenbei zwischen zwei Terminen erledigt.
Alles andere — Kategorie, Name, Zeiten, Gebiet, Bewertungen — machen Sie selbst besser als jeder Dienstleister. Sie wissen als Einziger, was Ihr Betrieb tatsächlich ist.
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