Die Frage kommt fast immer an einem von zwei Punkten auf: Entweder ist der Betrieb gewachsen und die IT wird zum Nebenjob von jemandem, der eigentlich etwas anderes tun soll — oder die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Dienstleister knirscht, und man fragt sich, ob es intern nicht besser ginge. Beide Ausgangslagen führen zur selben Entscheidung, und beide neigen dazu, sie auf die Kostenfrage zu verkürzen. Das greift zu kurz, denn die Modelle unterscheiden sich weniger im Preis als in dem, was sie leisten können, wenn es eng wird.
Was für die eigene IT-Kraft spricht — und was dagegen
Der große Vorteil ist Nähe. Wer im Haus sitzt, kennt nicht nur die Technik, sondern den Betrieb: welche Abläufe an welchem System hängen, wer womit arbeitet, was am Monatsende nicht ausfallen darf. Diese Art von Wissen steht in keinem Ticket. Dazu kommen kurze Wege — man geht hin und fragt, statt ein Ticket zu schreiben — und die Bereitschaft, auch die kleinen Dinge zu erledigen, die sich für einen externen Einsatz nicht lohnen.
Der große Nachteil ist ebenso strukturell: Eine Person ist eine Person. Sie hat Urlaub, sie wird krank, sie kündigt irgendwann. In dem Moment steht die IT still, und zwar unabhängig davon, wie gut sie vorher lief. Dazu kommt die Breite: Ein einzelner Mensch kann Netzwerk, Server, Arbeitsplätze, Telefonie, Backup und Sicherheit nicht auf allen Feldern gleich gut beherrschen — das ist keine Kritik, sondern schlicht die Menge an Stoff. Und es braucht Zeit und Budget für Fortbildung, sonst veraltet das Wissen im eigenen Haus schneller, als einem lieb ist.
Was für das Systemhaus spricht — und was dagegen
Ein Dienstleister bringt Breite und Vertretung mit. Fällt ein Ansprechpartner aus, übernimmt ein anderer; für Spezialfragen gibt es Spezialisten; und weil dieselben Themen bei vielen Kunden auftreten, sind Erfahrungswerte da, die ein einzelner Betrieb gar nicht sammeln kann. Dazu kommt Verlässlichkeit auf dem Papier: Reaktionszeiten stehen in einem Vertrag, statt vom guten Willen einer einzelnen Person abzuhängen.
Die Kehrseite: Der Dienstleister kennt Ihren Betrieb naturgemäß weniger gut als jemand, der täglich darin arbeitet. Was intern ein Zuruf ist, wird extern ein Vorgang. Ansprechpartner wechseln, und mit ihnen geht Kontextwissen verloren. Und je länger die Zusammenarbeit läuft, desto mehr Wissen über Ihre Umgebung liegt beim Dienstleister statt bei Ihnen — was den Wechsel mit der Zeit teurer macht, selbst wenn man mit der Leistung unzufrieden ist. Nichts davon spricht gegen Systemhäuser; es sind die Eigenschaften des Modells, und man kann sie einplanen.
Das Mischmodell — in der Praxis der Normalfall
Für die meisten Betriebe in der mittleren Größenordnung ist die tragfähigste Antwort keine Entscheidung, sondern eine Aufteilung. Intern sitzt jemand, der nicht zwingend Vollzeit-Administrator sein muss: die Person, die neue Geräte einrichtet, Passwörter zurücksetzt, weiß, wo die Zugangsdaten liegen, und beurteilen kann, ob ein Problem klein oder groß ist. Extern hängen die Themen, die Tiefe brauchen — Server und Virtualisierung, Netzwerk, Sicherheit, Backup-Konzept — und die Vertretung, wenn intern jemand ausfällt.
Damit das funktioniert, müssen zwei Dinge geklärt sein. Erstens die Grenze: Was macht intern, was extern, und ab wann wird eskaliert? Unklare Grenzen führen dazu, dass Aufgaben zwischen beiden liegen bleiben. Zweitens der Zugang: Der interne Ansprechpartner braucht genug Rechte und Wissen, um im Alltag handlungsfähig zu sein — sonst wird er zum Boten, und der Vorteil der kurzen Wege ist dahin.
Woran Sie merken, dass das aktuelle Modell nicht mehr passt
- Ihre IT-Kraft kommt nicht mehr zu ihrer eigentlichen Arbeit, oder der IT-Nebenjob frisst spürbar Zeit an anderer Stelle.
- Bei Urlaub oder Krankheit einer einzelnen Person bleiben Dinge liegen, die nicht liegen bleiben dürften.
- Sie bekommen auf einfache Anfragen lange Reaktionszeiten, weil alles denselben Weg über ein Ticketsystem nimmt.
- Niemand im Haus kann sagen, wie die eigene Umgebung aufgebaut ist — die Antwort lautet immer „das weiß nur der Dienstleister“ oder „das weiß nur Kollege X“.
- Größere Vorhaben werden aufgeschoben, weil niemand die Zeit oder die Tiefe dafür hat.
Keiner dieser Punkte bedeutet für sich, dass man wechseln muss. Zwei oder drei davon zusammen bedeuten aber, dass das Modell an seiner Grenze arbeitet — und dann ist es besser, das in Ruhe zu ändern als im Moment eines Ausfalls.
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