Preiserhöhungen bei Software sind selten eine gute Nachricht, aber sie sind ein guter Anlass, den eigenen Lizenzbestand einmal anzuschauen — etwas, das in kleinen Betrieben zwischen zwei Verlängerungen gerne drei Jahre liegen bleibt. Diese Erhöhung ist dafür besonders geeignet, weil sie nicht flächendeckend ist, sondern die Pläne unterschiedlich trifft.
Die genannten Werte sind die US-Listenpreise aus Microsofts Ankündigung; in Euro weichen die Beträge ab, weil Microsoft die lokalen Märkte gesondert anpasst. Die Größenordnung der Anhebung und vor allem das Verhältnis der Pläne zueinander gelten aber unabhängig von der Währung — und genau darauf kommt es beim Nachrechnen an.
Der eigentliche Punkt: Premium wurde nicht teurer
Vor der Anpassung lagen zwischen Business Standard und Business Premium 9,50 Dollar Abstand pro Nutzer und Monat. Jetzt sind es 8. Der Aufpreis für Premium ist also gesunken, während Standard teurer wurde. Wer bisher aus Kostengründen bei Standard geblieben ist, sollte die Rechnung deshalb neu aufmachen — nicht weil Premium plötzlich billig wäre, sondern weil sich das Verhältnis verschoben hat.
Business Premium enthält gegenüber Standard vor allem Sicherheits- und Verwaltungsfunktionen: Geräteverwaltung, erweiterten Bedrohungsschutz, zusätzliche Identitätsfunktionen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht „brauche ich das?“, sondern „zahle ich das gerade schon woanders?“. Wer ohnehin eine Drittanbieter-Lösung für Virenschutz oder Geräteverwaltung bezahlt, zahlt unter Umständen doppelt — und in dem Fall kann der Wechsel auf Premium unterm Strich günstiger sein als der Verbleib auf Standard plus Zusatzabo.
Was Sie vor der nächsten Verlängerung prüfen sollten
- Lizenzbestand bereinigen: Wie viele Lizenzen sind gebucht, wie viele Konten sind tatsächlich aktiv? Die Differenz ist bares Geld.
- Plan-Mix prüfen: Braucht wirklich jede Person denselben Plan, oder passt für einen Teil des Teams ein kleinerer?
- Doppelzahlungen finden: Läuft neben Microsoft 365 ein separates Abo für Virenschutz, Geräteverwaltung oder Backup, dessen Funktion in einem höheren Plan schon enthalten wäre?
- Verlängerungstermin kennen: Da Bestandskunden bis zur Verlängerung auf den alten Konditionen bleiben, ist der Termin der Zeitpunkt, an dem die Erhöhung ankommt — und damit der Zeitpunkt, bis zu dem die Prüfung erledigt sein sollte.
- Zahlweise anschauen: Jährliche Vorauszahlung ist bei Microsoft günstiger als monatliche Kündbarkeit. Der Preis dafür ist Bindung — das ist eine Abwägung, keine Selbstverständlichkeit.
Und wenn man ganz aussteigen will?
Die Frage kommt bei jeder Preiserhöhung, und sie ist berechtigt — aber sie sollte ehrlich gestellt werden. Ein Wechsel weg von Microsoft 365 ist kein Lizenzthema, sondern ein Projekt: Postfächer und Kalender migrieren, Dateiablagen umziehen, Dokumentformate prüfen, das Team umgewöhnen, Abläufe anpassen, die an Office-Funktionen hängen. Für Betriebe, die ohnehin über ihre Abhängigkeit von einzelnen Anbietern nachdenken, kann das der richtige Weg sein; wer nur die Erhöhung abfangen will, ist mit den fünf Punkten oben meist deutlich besser bedient. Eine Preisanpassung im einstelligen Eurobereich pro Nutzer rechtfertigt selten ein Migrationsprojekt — die Frage nach der Abhängigkeit rechtfertigt es womöglich schon, und die stellt sich unabhängig vom Preis.
Ein Detail zum Schluss, das in der Aufregung untergeht: Microsoft hat mit der Anpassung auch den Leistungsumfang erweitert — mehr Postfachspeicher, zusätzlicher Schutz beim Anklicken von Links, erweiterte Chat-Funktionen des KI-Assistenten. Ob dieser Zugewinn den Aufpreis wert ist, muss jeder Betrieb für sich beantworten. Es ist aber ein Unterschied, ob ein Anbieter denselben Umfang teurer macht oder mehr liefert und dafür mehr verlangt.
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